Donnerstag, 13. März 2008

Ach Du Liebesbisschen - eine Rezension


Ach Du Liebesbisschen!


Sie ist bei weitem nicht so bekannt geworden wie Harry Potter, die Reihe um das Mädchen Bella und ihren Vampirfreund Edward, doch haben alle drei bisher erschienenen Bände die Spitze der Bestsellerliste erklommen. Nicht bloß Jugendliche lesen die romantische Variation jener Fantasy-Romane, die in den letzten Jahren so in Mode gekommen sind, es sind, wie die Carlsen-Verlag verheißt, Bücher, die Mütter und Töchter gleichermaßen verschlingen.

Oh ja, apropos Verschlingen, den ersten Teil „Bis(s) zum Morgengrauen“ habe ich an einem einzigen Vormittag gelesen. Was ich daran ganz wunderbar fand: Es ist zwar in gewisser Weise Fantasy, weil nicht alles realistisch ist, was der Protagonistin so geschieht. Aber es ist zugleich auch eine zauberhafte Liebesgeschichte, hochromantisch und auf eine nette Art altmodisch. Qualitativ besser als ein Großteil des Fantasy-Abenteuer-Einheitsbreis, der uns seit Harry Potter auf dem Jugendbuchmarkt serviert wird. Was mir außerdem gefiel: Die Geschichte war in sich stimmig und in das Ende konnte man alles mögliche hineininterpretieren und weiterträumen. Endlich mal keine von diesen Endlosreihen…

Ähm, wie bitte? Ja, das habt Ihr richtig gelesen, inzwischen gibt es doch drei Bände der Biss-Reihe:
1. Bis(s) zum Morgengrauen
2. Bis(s) zur Mittagsstunde
3. Bis(s) zum Abendrot

Laut Verlagsangaben soll nun auch noch ein vierter folgen. Keine Ahnung, was zuerst da war. Die Henne oder das Ei, der Megaerfolg oder die Fortsetzung. Ich habe es jedenfalls so empfunden, dass nach dem ersten Band nicht unbedingt eine Fortsetzung hätte erfolgen müssen. Trotzdem habe ich die Fortsetzung gelesen, und das mit Vergnügen, denn die Autorin hat im zweiten Teil noch so manche Überraschung aus dem Hut gezaubert. Beim dritten Teil wird es nun ambivalenter.

Bis(s) zum Abendrot

Und um diesen Teil soll es nun hauptsächlich gehen, wobei das gar nicht so einfach ist, ohne auf vorherige Entwicklungen einzugehen. Die Ausgangssituation: Die Oberstufenschülerin Bella zieht aus Seattle ins feuchte, dunkle Forks zu ihrem Vater, dem Polizisten Charlie. Schon bald verguckt sich Bella in außergewöhnlich schönen, blassen Edward, der sie aber zu hassen scheint. Gleichzeitig freundet sie sich mit dem jungen und unbeschwerten Jacob an, der sie auf andere Gedanken bringt mit dem sie ein wenig über die Stränge schlägt. Jacob ist unverkennbar in Bella verliebt, doch Bella bleibt Edwards Geheimnis auf der Spur. Eines Tages geschieht ein Unfall, den Bella und Edward wie durch ein Wunder überleben. Nun muss Edward Farbe bekennen: Nicht nur, dass auch er Bellas Gefühle erwidert, er gehört auch einem Stamm „kultivierter“, unter den Menschen lebenden Vampiren an. Auch wenn er Bella natürlich niemals etwas zuleide tun würde, bleibt ein gewisses Restrisiko, nicht zuletzt aufgrund von eifersüchtigen Verwandten und unberechenbaren Feinden.

Doch damit nicht genug, auch Jacob enthüllt sein Geheimnis. Bella steht buchstäblich zwischen den Fronten und schwebt stetig in Gefahr, eine Fähigkeit, die sie ohnehin auszeichnet. Diese ganzen Konflikte spitzen sich bis zum Ende des dritten Bandes immer weiter zu. Zum Glück hat Bella eine ganze Batterie starker Männer, die sie bevormunden, äh beschützen. Und dies spannt den Bogen – auch den Spannungsbogen – zwischen „Morgengrauen“ und „Abendrot“ – so dass ich mich jetzt, am Ende der Lektüre, fast ein wenig überspannt fühle…


Lektüre mit Biss oder doch etwas zahnlos?

Meine letzten Sätze nehmen ja schon ein wenig Kritik vorweg, es ist aber auch nicht so schlimm, wie’s klingt. Ich habe an allen drei Büchern Freude gehabt, die letzte Fortsetzung sogar sehnsüchtig erwartet und gern gelesen. Ob ich den vierten Band lesen werde, weiß ich noch nicht.

Ich finde außerdem die besonders schöne und liebevolle Ausstattung der Biss-Bücher erwähnenswert, denn auch macht Lesen zu einem sinnlichen Vergnügen und einem Schmuckstück im Regal.

Aber es nützt ja nichts, bei aller Sympathie. Bei allem Festhalten daran, dass der Anfang ein echter Knaller war. Wahrscheinlich kann man es nicht mal vorrangig der Autorin vorwerfen, denn sie schafft es tatsächlich, auch im dritten Buch noch überdurchschnittliche Lesekost zu liefern, obwohl eigentlich kaum etwas passiert, was uns in anderer Variation nicht schon in den vorherigen Büchern begegnet wäre. Was schade ist: Meines Erachtens wird hier eine junge, begabte Autorin verheizt. Es scheint wohl im Augenblick unheimlich schwer zu sein, auf dem Jugendbuchmarkt Fuß zu fassen, wenn man nicht gleich mindestens eine Trilogie für den Verlag schreibt. Doch bloße Quantität ist längst nicht jeder Geschichte angemessen. Ein wirklich neuer Roman, nicht der vierte Aufguss wäre mir dann oftmals lieber.

Einige der Aspekte, an denen ich dies festmache, führe ich hier nicht weiter aus, denn wer die Bücher noch lesen will, soll ja nicht um das Vergnügen gebracht werden. Es sind vor allem inhaltliche Wiederholungen bzw. künstlich lang gezogene Handlungsstränge.

Ein Stück weit, das muss ich jetzt vielleicht doch genauer erklären, ein Stück weit liegt der Reiz der Bücher genau in diesem köstlichen Zwiespalt zwischen der Sehnsucht, etwas zu tun und es gleichzeitig nicht tun zu dürfen, zwischen Hingabe und Nachgeben. Das ist es, was wir großen und kleinen Mädchen oft aufregender finden als die explizite Beschreibung von Sexszenen: Dieser perfekte Edward ist natürlich eine 1a-Projektionsfläche für pubertäre Phantasien in jeglichem Alter. Erinnert mich irgendwie an die Faszination, die auch „Stolz und Vorurteil“ bis heute auf mich ausübt.

Nebenbei bemerkt sind dieser Hauch Jane Austen und die Bezüge zum 19. Jahrhundert sicher kein Zufall. So manches eingestreutes Zitat verrät die Autorin als Fan von Austen, Brontё und Co. – hätte sie aber gar nicht extra erwähnen brauchen ;o).

Das Ganze in ein modernes Milieu zu verlagern und dennoch eine wunderbar altmodische Geschichte zu erzählen, mit ein paar Abenteuer-und Gruselelementen, die ja auch den literarischen Vorbildern nicht fremd waren – eine prima Sache. Kitschig wird es zum Glück auch nur selten. Nur gut, dass Jane Austen keine vier Bände schreiben musste, bis Elizabeth Bennett endlich ihren Mr Darcy gekriegt hätte. Die beiden hätten einem doch den letzten Nerv geraubt, oder?

Dass das Frauenbild manchmal auch ein Importartikel aus dem 19. Jahrhundert zu sein scheint, kommt auch erst im dritten Buch so richtig raus. Okay, Bella ist zwar von vornherein ganz eindeutig die Retterin des zuvor allein stehenden Vater vor sich auftürmenden Geschirrbergen und der für einen Mann schier unlösbaren Aufgabe, Spaghetti zu kochen. Doch während Bella zu Beginn als ca. 17jährige agiert und väterliche Fürsorge von allen männlichen Seiten noch relativ selbstverständlich erscheint, ist die im 3. Band 19jährige Bella nach all dem, was sie durchlebt hat, schon eine gestandene Frau, wird aber von Vater Charlie, Jacob und Edward gleich dreifach von allem Übel abgeschottet und „beschützt“. Eine starke, aus eigenem Antrieb handelnde Frauenfigur, wie man sie sich für ein Jugendbuch wünscht, ist Bella eigentlich nicht. Sie ist eher eine, die re-agiert, leider.

Aber es ist doch soooo romantisch.

Letzten Endes ist es das auch. Wer möchte angesichts des ewigen Lebens und Jungseins nicht an die ewige Liebe glauben? Im wahren Leben hätte ich ja meine Zweifel, dass das funktionieren würde mit den beiden. Edward ist viel zu dominant, und Bella würde sich wahrscheinlich doch irgendwann emanzipieren. Und das gäbe --- Achtung Wortspiel --- ganz böses Blut. Ich sag ja, es ist gut, wenn Geschichten dort enden, wo man noch davon träumen kann, dass sie bis(s) in alle Ewigkeit zusammenbleiben. Wer wettet mit mir, dass der letzte Band so heißen wird?

Bis(s) dahin…


„Bis(s) zum Abendrot, Carlsen Verlag 2008,
ISBN 978-3-551-58166-2
22,90 €

1 Kommentar:

nosupermom hat gesagt…

Die Bücher sind bei uns in der Schulbibliothek der Renner bei den Mädchen!

Ob ich da auch mal ran muss? Oder lieber wieder mal Anne Rice lese? (Im Moment bin ich allerdings etwas Vampir-geschädigt, da ich mittlerweile den 13. Band von Angela Sommer-Bodenburg vorlese...)